Wie ich bin ich zu meiner Haltung gekommen? Warum bin ich Spezialist für Markendesign, Webdesign und Editorial Design? Warum schlägt mein Herz für Hannover? Und warum habe ich so viele Buchstaben tätowiert?

Die Antworten möchte ich gerne geben, indem ich Sie auf eine Reise durch zwanzig Jahre als Grafikdesigner mitnehme. Eine Reise, in der ich ständig Neues gelernt und mich von Gewohntem verabschiedet habe.

Dabei möchte ich mir jedoch nicht selbst auf die Schulter zu klopfen. Vielmehr will ich Auftraggeber finden, die von meiner Haltung überzeugt sind und meine Geschichte kennen. Um ein geschätzter Geschäftspartner zu werden – kein gesichtsloser Dienstleister.

2002
bis
2005

Ausbildung

Eine Faszination für Leitsysteme, Piktogramme und Infografiken hatte ich bereits als Kind. Und als ich in den Neunzigerjahren das erste Mal mit einem Computer Grafiken erstellen konnte, war für mich klar:

»Ich werde Grafikdesigner!«

Nach 14 Jahren Abitur (Danke, Kurvendiskussion und Französisch!) hatte ich wenig Lust auf Vorlesungen. Stattdessen wollte ich meine praktische Erfahrung im Editorial Design ausbauen, die ich in der Schülerzeitung gesammelt habe. »Ein Studium für Kommunikationsdesign kann ich schließlich auch danach noch machen,« dachte ich mir.

Also habe ich 2002 bei der AhlersHeinel Werbeagentur in Hannover meine Ausbildung begonnen und echtes Handwerk als Mediengestalter gelernt. Von verdammt guten Kollegen! Jedoch konnte ich nach Ende meiner Ausbildungszeit leider nicht übernommen werden.

»Was jetzt?!«

2005
bis
2012

Ins kalte Wasser

Will ich jetzt studieren? Bewerbe ich mich woanders? Beides vernünftige Optionen. Da ich jedoch schon neben meiner Ausbildung ein paar eigene Kunden gewonnen hatte, entschied ich mich für eine dritte, unvernünftige Option:

»Eine Gewerbeanmeldung kostet 30 Euro. Das Equipment habe ich. Was habe ich zu verlieren?«

In der ersten Zeit hatte ich noch Jobs als Fahrradtaxi-Fahrer, als Sandwich Artist bei Subway und als Kellner. Das hat mich nicht nur ernährt. Es hat mich auch gelehrt, dass harte Arbeit und Durchhaltevermögen ein wichtiger Bestandteil von Erfolg sind. Und der kam auch, als ich mit der BKK Mobil Oil meinen ersten nationalen Kunden gewann.

Ich bekam unter anderem den Auftrag, das bis dahin undefinierte Corporate Design in einem über 60 Seiten starken Handbuch festzuhalten. Weitere Aufträge folgten und die Zeit der Nebenjobs war vorbei. Außerdem wurde mir klar, dass ich Corporate-Design-Projekte als Schwerpunkt meiner Arbeit ausbaue.

Jetzt konnte ich endlich sagen, dass der Schritt in die Selbstständigkeit goldrichtig war. Mein Leben war fantastisch. Nach einiger Zeit stelle ich mir jedoch die Frage:

»Bleibt das jetzt für immer so? Fange ich an auf der Stelle zu treten?«

2012
bis
2013

Berlin

Mit diesen Gedanken im Kopf fiel mir eines Tages ein Beitrag im Blog des renommierten Schrifthändlers FontShop vor die Nase. Sie suchten Freiberufler, die einen Schreibtisch in ihrem Kreuzberger Büro untermieten. Mit nur wenig Zuversicht, hinsichtlich der angesagten Location, bewarb ich mich – und bekam tatsächlich eine Zusage. Plötzlich war ich in Berlin.

Nach drei Monaten kam Jürgen Siebert vom Fontblog neugierig auf mich zu und wollte wissen, was mich als Designer bewegt und warum ich bei FontShop eingezogen bin.

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Die Kollegen bei FontShop haben meine bereits sehr ausgeprägte Perspektive auf Schriften nochmal stark erweitert. Der Gestaltungsprozess und die komplexe Technik hinter Computerschriften prägten mein Verständnis in Bezug auf meine Arbeit nachhaltig. Dieses neue Wissen kombinierte ich mit eigenen Methoden zur Schriftwahl im Markendesign.

Davon beeindruckt haben mich die Organisatoren der TYPO-Konferenz als Sprecher zum TYPO Day 2013 in Hannover eingeladen. Dort hielt ich unter anderem neben dem legendären Schriftgestalter Erik Spiekermann einen Vortrag.

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In dieser Zeit setzte ich bereits kleinere Projekte für Sennheiser um. Unerwartet kam die Anfrage, bei einem Pitch für eine internationale Kampagne teilzunehmen. Es ging um Bühnenmikrofone. Nach dem Briefing wurde mir jedoch schnell klar: Ich brauche Christian Kolletzki im Boot – meinen langjährigen Kollegen für Konzept und Text. Aber auch Christian war überzeugt:

»Das ist zu groß für uns alleine. Ich kenne aber die Agentur torius aus Berlin. Schau dir die mal an! Vielleicht machen wir das zusammen mit denen.«

Das Ende der Geschichte: Wir haben zusammen mit torius den Pitch haushoch gewonnen. So eindeutig, dass wir das nächste Projekt von Sennheiser gleich direkt bekamen.

Christian und ich hatten damals schon lange den Gedanken, gemeinsam eine Agentur zu gründen. Mit Sennheiser im Rücken waren wir zuversichtlich, dies wäre jetzt der richtige Zeitpunkt. Nachdem wir torius davon erzählten, kam jedoch die Frage zurück:

»Wollt ihr in unsere Agentur einsteigen?«

2013
bis
2020

Agenturpartner

Jetzt war ich einer von fünf Partnern einer Berliner Werbeagentur. Schicker Hinterhof in Prenzlauer Berg. Internationale Kunden wie Sennheiser, Continental, Ceva und Zoetis.

In diesen sieben Jahren habe ich mehr gelernt, als jemals zuvor. Mit der Größe der Kunden wuchs auch Verantwortung und Weitsicht. Spannende Projekte im Markendesign und Editorial Design haben meine Fähigkeiten geschärft. Und die zunehmende Unwichtigkeit von Druckmedien hat meinen dritten Schwerpunkt Webdesign geformt.

Darüber hinaus hielt ich weitere Vorträge zu Schriftwahl im Markendesign.

»Müssen wir jetzt im Büro eine Maske tragen?«

Und dann kam Corona. Die Krise 2020 hat auch unsere Agentur getroffen. Wir mussten einige Entscheidungen treffen, die wirklich weh taten. Eine davon war mein Ausstieg und die Rückkehr nach Hannover.

2020
bis
heute

Neustart

»Du machst dich während Corona selbstständig? Das ist ja ganz schön mutig.«

Ins kalte Wasser zu springen hatte ich schon 2005 gelernt. Und wie damals kam alles viel besser als erhofft. Denn eigentlich hatte ich die Erwartung, die erste Zeit nur wenig Projekte machen zu können. Stattdessen wollte ich mich zurücklehnen und schauen, wohin die Reise jetzt geht. Aber bis heute folgt ein spannendes Projekt dem nächsten.

Dafür bin ich sehr dankbar. Gegenüber meinen Auftraggebern, meinen Geschäftspartnern und allen, die von meiner Arbeit überzeugt sind.

Die
Zukunft

Das Beste kommt noch

Bis hierhin war es eine Reise vom frisch Selbstständigen, der nebenbei noch Fahrradtaxi fährt, bis zum Partner einer Berliner Werbeagentur. Dabei hatte ich Begegnungen mit interessanten Auftraggebern und fantastischen Kollegen. Und auf jedem Schritt habe ich etwas Neues gelernt. Das hat mich zu dem Designer gemacht, der ich heute bin.

»Ich bereue nichts!«

… außer vielleicht meine pinkfarbene, plüschige Visitenkarte von 2007.

Darf Ihr Projekt ein Teil meiner Zukunft werden?

0171 6562975mail@saschageisler.de